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Kraslice 

KrasliceDie älteste Geschichte der Stadt (zu Deutsch Graslitz) ist in Dunkel gehüllt. Sicher ist, dass über den Grasslitzer Pass einst ein uralter Handelsweg aus Deutschland in den böhmischen Kessel führte, der später „Goldener Erfurter Weg“ genannt wurde. In der Umgebung lebten Angehörige der Lausitzer Kultur (Eger/Cheb), die auf einem Teil des Gebiets von Kelten (Kolová bei Kynšperk) abgelöst und später voll und ganz durch Slawen ersetzt wurden. Keine einzige dieser altertümlichen Kulturen scheint im Pass jedoch ständige Wohnsiedlungen gegründet zu haben. Gut – man mag über Wallanlagen (Burgstätten) an Stellen späterer Burgen (Kraslice, Hartenberg, Týn, Lipnice und weitere) spekulieren – aber es fehlt an Beweisen. 

Der nachweislich erste schriftliche Hinweis für die Besiedlung dieser Gegend taucht zu Zeiten des Königs Wladislaw auf, der die Ansiedlung dem Kloster Waldsassen schenkt. Die Zisterzienser-Mönche luden Bauern aus Bayern und der Pfalz ein, um das damals von menschlicher Hand noch ziemlich unberührte Gebiet zu besiedeln. In den Jahren 1150 bis 1350 gründen die Ankömmlinge die ersten Orte – Kostelní (Kirchberg am Hohen Stein), Počátky (Ursprung), Černá (Schwarzenbach), Mlýnská (Konstadt), Krásná (Schönwerth), Sněžná (Schönau). Wohl zu jener Zeit erbauten die Hüter des Handelsweges (im Erzgebirge als Chodové bekannt) auf dem Gipfel des über dem Zwodautal (Svatava) aufragenden Hausbergs eine Feste. Zur Mitte des 13. Jhds. wird an ihrer Statt dann eine Wachtburg, das sog. Neuen Haus erbaut und zu Füßen der Burg entstehen immer neue Siedlungen. Mitte des 14. Jahrhunderts wachsen sie zu einem einzigen Ort zusammen, der Greslas genannt wird. Dieser Name ist wohl eine Verballhornung der mittelalterlichen Bezeichnung des mit Nadelwald bewachsenen Berges (Graz). Dieser Ortsname bürgert sich später auch für die Burg ein. 

Das Waldsassener Kloster sollte nicht lange im Besitz von Graslitz bleiben. Im Jahre 1272 soll es Přemysl Ottokar II. Heinrich dem Älteren von Plauen als Lehen geschenkt haben. Dieser Akt ist jedoch umstritten, da die Urkunde, die ihn bestätigt, im 15. Jahrhundert gefälscht wurde. Als sicher darf angesehen werden, dass die Herren von Plauen im 14. Jahrhundert wirklich die Besitzer von Graslitz waren. Schon damals begann man auf den Hügeln ringsum Silber, Blei und Zinn zu schürfen, was dieser Gegend zu Wohlstand verhalf. Im Jahre 1356 übergibt Rüdiger von Sparneck, der Schwiegersohn von Heinrich von Plauen, die Graslitzer Gegend samt Burg und Vorburg König Karl IV., der sie ihm postwendend als Lehen zurückgibt. Nach dem Tode des Ritters kaufte der König das ganze Lehen jedoch zu Gunsten der Böhmischen Krone ab. Die Regierung von Karl IV. brachte auch Graslitz einen erfreulichen Aufschwung. Der staatlich geförderte Handel und Bergbau brachten dem Städtchen nicht nur Gewinne, sondern auch neue Einwohner. Außer Bergknappen lebten hier auch viele Holzhauer, die Holz in den bisher jungfräulichen Urwäldern fällten, aber auch Jäger und Köhler. Die Gründung neuer Bergwerke und der Zustrom neuer und neuer Bergknappen führten dazu, dass Karl IV. Graslitz am 15. August 1370 zur Königsstadt erhob.

Im Jahre 1401 pfändete König Wenzel IV. Burg Greslein über Graslitz als Lehen für die Brüder Heinrich und Konrad von Reitenbach. Sie waren aber alles andere als tugendhafte Ritter, sie nutzten die Nähe des Handelsweges auf eigene Weise und begannen, räuberische Streifzüge zu unternehmen. Die Graslitzer Raubritter gewannen schon bald solch einen schlimmen Ruf, dass der Elbogener Burgvogt im Jahre 1412 Truppen zusammenrief, nach Greslein zog, die Burg abbrannte und nebenbei auch Graslitz plünderte. Die Besiedlung der einst so reichen Gegend konnte aufs Neue beginnen. 115 Jahre später erwirbt Hieronym von Schlick die Graslitzer Herrschaft und Graslitz selbst wird zur Bergstadt erhoben. 1541 erhält die Stadt ihr eigenes Stadtwappen – ein silbernes „G“ in blauem Feld. Der Aufschwung des Bergbaus und die Entfaltung des Handwerks wurden jäh von den Ereignissen nach der Schlacht auf dem Weißen Berg unterbrochen. Ein großer Teil der protestantischen Bevölkerung flieht vor der gewaltsamen Rekatholisierung über die Grenze und gründet im Ort Klingenthal ein „Neu-Graslitz“. Ab dem Jahre 1666 bis zum Umbruchjahr von 1848 herrscht das Adelsgeschlecht Nostitz über das böhmische Graslitz (Kraslice). 

Ab dem 17. Jahrhundert kommt der Bergbau in der Umgebung von Graslitz langsam zum Erliegen. Ihre Einwohner sind gezwungen sich nach anderen Erwerbsmöglichkeiten umzusehen und so gelangt das Volkshandwerk zur Blüte – die Spitzenklöppelei, das Textilgewerbe, die Spielzeugherstellung und vor allem der Musikinstrumentenbau. Nun wuchs die Bedeutung der Graslitzer Gegend wieder, was unter anderem im Bau einer Bahnstrecke aus Sokolov (damals Falknov) nach Klingenthal im Jahre 1886 zum Ausdruck kam. Zur Mitte des 18. Jahrhunderts gründet Josef Johann Anger eine Fabrik zur Herstellung von Musikinstrumenten. In den folgenden Jahrzehnten erwirbt vor allem die Marke Amati weltweit hohes Ansehen. Als erste in der ganzen Welt beginnen die Fabriken in Graslitz und Klingenthal mit der Massenherstellung von Mundharmonikas. Auch die Textilherstellung entwickelte sich, vor allem die Herstellung von Samt und Plüsch.

Der Erfolg versprechende wirtschaftliche Aufschwung findet im Zweiten Weltkrieg, vor allem aber durch die Zwangsaussiedlung der Deutschen nach Kriegsende – die Mehrheit der ursprünglichen Einwohner – ein jähes Ende. In der Gegenwart hat Kraslice mit den typischen Problemen einer Grenzstadt, mit einer 10-prozentigen Arbeitslosenrate und dem damit zusammenhängenden Abgang seiner Einwohner zu kämpfen. Neuen Aufwind dürfte dem Ort der im Jahre 2002 eröffnete Grenzübergang nach Klingenthal verschaffen, sowie die ständig wachsende Zusammenarbeit mit der deutschen Nachbarstadt.

Links:

http://www.kraslice.cz/historie.htm