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Karlovy Vary - Städtische Denkmalzone  

Geschichte von Karlovy Vary/Karlsbad 

Die Entstehung und der Aufschwung von Karlsbad waren von je her untrennbar mit den wohltuenden und heilenden Wirkungen seiner warmen Heilquellen verbunden. Sie haben seine Geschichte, seine Architektur, seine Ökonomik, ja den ganzen Genius loci der Stadt geprägt. Diese Quellen haben die Menschen seit je her fasziniert und seit Urgedenken seine Fantasie angeregt. Ins Reich der Fantasie gehört auch die weit verbreitete Legende, laut derer böhmischer König und römischer Kaiser Karl IV. die Karlsbader Thermen zur Mitte des l4. Jahrhunderts bei einer Hirschjagd entdeckt haben soll. Die Gründung des Kurstädtchens am Zusammenfluss von Eger/Ohře und Tepl/Teplá unter der Herrschaft von Karl IV. war sicher kein solch zufälliges und romantisches Unterfangen, wie es die alte Legende glauben machen will, sondern eher das folgerichtige und nahezu gesetzmäßige Resultat der Weiterentwicklung dieses schon längst als Heilquelle bekannten Ortes.

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Das genaue Gründungsdatum der Stadt ist unbekannt. Die Anfänge der ständigen Besiedlung der Gegend um den Sprudel (Vřídlo) gehen auf das Jahr 1349 zurück. Spuren menschlicher Tätigkeit in der nahen Umgebung von Karlsbad sind jedoch viel älteren Datums. Anhand archäologischen Erforschungen konnten im heutigen Weichbild der Stadt mehrere urzeitliche Siedlungsorte (Tašovice, Dvory, Drahovice) nachgewiesen werden. Von der Existenz früher Bewohner der Gegend in historisch jüngerer Vergangenheit zeugt u.a. die Burgstätte Drahovice, die Menschen in der späten Bronzezeit besiedelten. Eine slawische Besiedlung ist in der Nähe von Karlsbad zum Beispiel in Tašovice und Sedlec belegt. In der näheren Umgebung von Karlsbad lebten Menschen nachgewiesenermaßen bereits im l3. Jahrhundert. Dabei darf angenommen werden, dass ihnen die Heilwirkungen der Karlsbader Thermen damals schon hinreichend bekannt waren und auch zur Heilung verwendet wurden. 

 

Karlovy Vary - Städtische Denkmalzone Karlovy Vary - Städtische Denkmalzone Die schriftlich vermerkte Geschichte der Sprudelstadt beginnt am 14. August des Jahres 1370, als Karl IV. dem bestehenden Siedlungsflecken die gleichen Freiheiten und Rechte zuerkannte, wie sie z.B. die nahe Königsstadt Loket (Elbogen) inne hatte. Von der Sonderstellung Karlsbads als Heilbad zeugt auch die große Anzahl der erteilten Privilegien, die bis 1858 immer wieder von böhmischen Herrschern bekräftigt werden. Die Karlsbader Heilkuren bestanden seit dem Mittelalter bis zur Neige des 16. Jahrhunderts vor allem in Bädern. Trinkkuren wurden erst verstärkt auf Anregung des Arztes Wenzel Payer angewendet, der anno 1522 in Leipzig ein erstes Fachbuch über die Karlsbader Heilanwendungen herausgab. In dieser Publikation empfiehlt er außer Bädern auch das Trinken des Sprudelwassers. Weitere eifrige Verfechter von Karlsbader Trinkkuren waren nach 1600 die hier ansässigen Ärzte Michael Reudenius und Johann Stephan Strobelberger. Im 17. Jahrhundert begannen Trinkkuren den Bädern den Rang abzulaufen, was mitunter in Extreme ausartete, trank doch im Jahre 1750 bei der Kur so mancher Kurgast 50 - 70 Becher Mineralwasser.

Der Wohlstand und die weitere bauliche Entwicklung des Heilbades wurde gegen Ende des 16. und Beginn des 17. Jahrhunderts von zwei verhängnisvollen Naturkatastrophen beeinflusst. Am 9. Mai 1582 wurde Karlsbad von einem großen Hochwasser heimgesucht. Am 13. August l604 wurde die Stadt völlig von einem Brand vernichtet, wobei 99 von damaligen 102 Häusern in Schutt und Asche fielen. Auch der dreißigjährige Krieg machte nicht Halt vor der Karlsbad, wie man es seiner Sonderstellung als Kurstadt wegen hätte erwarten können. Während der Kriegswirren war die Stadt einige Male Plünderungen, aber auch dem Wüten von Bränden, Epidemien und Hungersnöten ausgesetzt. Die unruhigen Zeiten, aber auch die schlimmen wirtschaftlichen Folgen der Kriegsjahre schlugen sich vor allem in einem deutlichen Rückgang der Kurgäste und letztendlich im rückläufigen wirtschaftlichen Wachstum der Stadt nieder. Das nötigte die Karlsbader Einwohner, sich nach sonstigen Erwerbsmöglichkeiten umzusehen. So kam es im 17. Jahrhundert zu einer allmählichen Entwicklung typischer Karlsbader Gewerbe – der Zinngießerei und Büchsenmacherei sowie des Nadel- und Messerschmiedehandwerks. Zu einer neuerlichen Belebung des Kurlebens gegen Ende des 17. Jahrhunderts kam es durch den Zustrom reicher adliger Besucher aus dem Umkreis sächsischer und später auch russischer und polnischer Höfe. Besonders die beiden Kuraufenthalte des russischen Zaren Peter des Großen in den Jahren 1711 und 1712 sorgten für Aufsehen und entsprechende Publicity. 

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Bis zur Neige des 17. Jahrhunderts bewahrte sich Karlsbad seinen geschlossenen gotischen Charakter mit Stadttoren und enger Bebauung rund um den Sprudel. Das Wahrzeichen der Stadt war damals der gotische Turm des einstigen Jagdschlösschens Karls IV. auf dem Fels über dem Marktplatz. Unter ihm wurde im Jahre 1520 ein Rathaus erbaut, gleich daneben stand die Stadtapotheke und gegenüber das Heilig-Geist-Spital aus dem Jahre 1531. Am rechten Ufer der Tepl stand über dem Sprudel die erstmals im Jahre 1485 erwähnte spät-gotische Fachwerkkirche der Maria Magdalena. Um 1500 wurde am Hang der Höhe „Bei den Drei Kreuzen“ (U tří křížů) das Kirchlein des Hlg. Andreas geweiht. Die Häuser waren zumeist Fachwerkhäuser mit Schindeldächern.

Das 18. Jahrhundert brachte der Sprudelstadt ruhmvolle Zeiten und Jahrzehnte wirtschaftlichen Aufschwungs. Im Jahre 1707 bestätigte Kaiser Joseph I. Karlsbad all dessen Privilegien, wobei er es ausdrücklich als freie Königsstadt bezeichnete. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfreute sich Karlsbad der besonderen Gunst der Habsburger, namentlich der Kaiserin Maria Theresia. Die Loyalität der Kurstadt dem Wiener Hof gegenüber zahlte sich aus - die Stadt erhielt erkleckliche Finanzbeihilfen zur baulichen Entwicklung der Stadt und zur Verbesserung seiner Verwaltung. Im Jahre 1719 gab der Stadtrat besondere Stadtgesetze heraus, kraft derer das Kurleben bis ins kleinste Detail geregelt wurde. 1739 wurde dann eine neue Stadtordnung verabschiedet, die sog. "Instructio politica". In Zusammenhang mit dem Aufschwung des Kurbetriebs wurden zahlreiche Gesellschafts- und Kurhäuser errichtet, im Jahre 1701 z.B. der Sächsische Saal, 1728 der Böhmische Saal. Anstelle dieser Säle wurde später das Grandhotel Pupp errichtet. 1711 wurde anstelle des heutigen Mühlbrunnens das „Mühlenbad“ erbaut - das überhaupt erste öffentliche Kurhaus in Karlsbad. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts platzte die Stadt schon aus allen Nähten, so entstand das Viertel Altwiese (Stará louka), das zum Zentrum des gesellschaftlichen Lebens der Kurgäste avancierte. Schon im Jahre 1717 hatte das Bad seine eigene schlichte Theaterbühne. In den Jahren 1732-1736 wurde anstelle der früheren gotischen Kirche nach Entwürfen des Bauherrn Kilian Ignaz Dienzenhofer die neue Barockkirche der Hl. Maria Magdalena errichtet. 

Größte Verdienste an der Modernisierung der Karlsbader Balneologie hatte das lebenslange Wirken von David Becher (1725-1792), des verdienstvollsten aller Karlsbader Ärzte. Er führte eine Reihe neuer Heilmethoden ein (das Trinken des Wassers direkt an den Heilquellen, Spaziergänge als Bestandteil der Therapie, die Ausgewogenheit von Trink- und Bäderkuren) und trug auch zur baulichen Entwicklung Karlsbads teil.

Der vielversprechende Aufschwung des Bades in der l. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde am 23. Mai 1759 jäh von einem katastrophalen Stadtbrand unterbrochen, dem 224 Häuser zum Opfer fielen. Die Folgen der Feuersbrunst konnten jedoch in verhältnismäßig kurzer Zeit überwunden werden. Auf den Brand folgte der durchdachte und großzügige Wiederaufbau der Stadt. Anstatt der ursprünglichen Fachwerkhäuser wurden ansehnliche mehrstöckige Steinhäuser mit üppig verzierten Stuckfassaden errichtet, die mit Mönch- und Nonnendächern gedeckt waren. 

Das alte Stadttor, das lange Zeit einer Ausbreitung der Stadt im Wege stand, wurde nicht wieder erbaut. Immer mehr Kurgäste kamen nun in die hübsche, wiedererbaute Stadt. Das durch den zunehmenden Strom von Kurgästen zu größerem Wohlstand gelangte Bürgertum von Karlsbad verschönte das Stadtbild durch immer kostspieligere Bauten. Zur Finanzierung dieser baulichen Veränderungen trug auch die sog. Kurtaxe bei, die im Jahre l795 eingeführt wurde. Im Jahre 1762 wurde das Mühlbad modernisiert. Im Jahre 1777 wurde der moderne Sprudelsaal errichtet, der die Anwendung der Grundsätze von Dr. David Becher widerspiegelte, der das Trinken des Mineralwassers direkt an der Quelle betonte. Ab 1764 wurde in Karlsbad – ebenfalls auf Anregung von Dr. Becher hin – Sprudelsalz hergestellt und exportiert. Aus den aus dem Verkauf des Sprudelsalzes eingenommenen Gewinnen wurde dann der Bau des neuen Theaters im Jahre 1788 mitfinanziert. Im Jahre l79l wurde der Posthof (Poštovní dvůr) errichtet, der zum beliebten Ausflugsrestaurant für die Karlsbader Kurgäste avancierte und später durch Konzerte des Joseph-Labitzky-Orchesters und zahlreicher berühmter Musiker zu großem Ansehen gelangte. Die ein Jahr später errichtete Holzkolonnade der Neuquelle war das erste Bauwerk seiner Art in Karlsbad. Sie bot den Kurgästen die Möglichkeit, auch bei ungünstigem Wetter bei den Quellen verweilen zu können. Im Jahre l8ll wurde die Kolonnade vom Dresdner Bauherrn Giessel umgebaut. Zum meistbesuchten gesellschaftlichen Mittelpunkt des hier verweilenden Adels wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts der „Böhmische Saal“, den Konditor Johann Georg Pupp im Jahre 1775 erworben hatte und hiermit den Grundstein für die Entwicklung des größten Karlsbader Restaurant- und Hotelbetriebs - Grandhotel Pupp - legte. Die ständig zunehmenden Besucherzahlen machte die Anschaffung von Gästeverzeichnissen notwendig, die Kurlisten genannt wurden. Die ersten bewahrt gebliebenen Kurlisten stammen von der Wende des 17. Jahrhunderts. Bis 1794 waren sie handgeschrieben, ab dem Jahre 1795 begann der hiesige Verlag Franieck mit der Herausgabe gedruckter Kurlisten. 

Der Beginn des 19. Jahrhunderts brachte Karlsbad einen weiteren Aufschwung des Kurbetriebs. Nicht einmal die unruhigen Zeiten der napoleonischen Kriege vermochten den Aufschwung des Kurortes zu stoppen. Die von David Becher festgelegte Heilmethode wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch eine ganze Reihe hervorragender Karlsbader Kurärzte weiterentwickelt. Die größten Verdienste kamen dabei Dr. Jean de Carro (1770 - 1857), Dr. Rudolf Mannl (1812 - 1863) und Dr. Eduard Hlawaczek (1808 - 1879) zu.

Die Großzügigkeit und der Luxus der wohlhabenden Besucher Karlsbads ermöglichten die Schaffung eines ganzen Netzes von Spazierwegen in die Umgebung des Kurortes. Ein bedeutsamer Mäzen und Liebhaber der Sprudelstadt war um 1800 der schottische Lord J. O. Findlater. Er finanzierte die Errichtung zahlreicher Waldpromenaden. Bis zum Ersten Weltkrieg erreichte die Gesamtlänge der Spazier- und Ausflugswege rund um Karlsbad sage und schreibe 130 km.

Die sich im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Karlsbad tummelnde High Society nahm immer mehr internationalen Charakter an. Neben der Aristokratie fand sich hier auch immer öfter die europäische Kulturelite ein. Häufige Besuche namhafter Persönlichkeiten waren schon immer eine Besonderheit von Karlsbad und prägten auf ihre Weise auch die Kulturgeschichte der Stadt. Von den bedeutsamsten Besuchern von der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert seien nur Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Theodor Körner, Ludwig van Beethoven, Frederic Chopin und Nicola Paganini genannt.

Ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts beeinflusste auch die reiche bürgerliche Klientel immer deutlicher den Charakter der Karlsbader Gesellschaft. Infolge der französischen Revolution verschwindet nach und nach der Adel aus der Kurszene. Karlsbad wird immer mehr zum beliebten Veranstaltungsort zahlreicher politischer und diplomatischer Verhandlungen. So fand sich im Jahre 1819 am Sprudel eine bedeutsame Ministerkonferenz ein, welcher der österreichische Kanzler K. V. L. Metternich vorstand.

Zum wichtigen Meilenstein in der Geschichte von Karlsbad wurde das Jahr 1844, als man begann, Sprudelwasser en gros zu exportieren. Große Verdienste an der Durchsetzung des Exports dieses Sprudelwassers außerhalb von Karlsbad hatten der Chemiker Adolf Martin Pleischl und der Arzt des Kurortes Eduard Hlawaczek. Der Versand von Karlsbader Mineralwasser und Sprudelprodukten wurde für die Stadt zur ergiebigen Einkommensquelle. 

Nach 1860 etablierte sich in dem bis dahin rein deutschen Karlsbad eine kleine Kommunität von Tschechen, die in Karlsbad Arbeit fanden und sich hier ständig niederließen. Zum Repräsentanten der tschechischen Minderheit in Karlsbad wurde der im Jahre 1881 gegründete böhmische Kulturverein „Slovanská beseda“. Dem Verein Slovanská beseda standen im Laufe der folgenden 40 Jahre hervorragende Ärzte vor – Emanuel Engel, František Zatloukal, Vincenc Janatka und Milan Mixa. 

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kommt es in Karlsbad zum regelrechten Bauboom, bei dem moderne Kurhäuser und -anlagen entstehen. Diese emsige Bautätigkeit verlieh der Stadt ihr heutiges architektonisches Aussehen, das deutlich vom Historismus und Jugendstils geprägt ist. Dabei entstand im Prinzip das schon vierte Karlsbad, dessen Schönheit man bis heute bewundern kann: Die erste, im Gotik- und Renaissancestil erbaute Stadt fiel dem Brand von 1604 zum Opfer. Das barocke Karlsbad wurde von den Flammen des Brandes von 1759 zerstört. Die veralteten und kleinstädtisch wirkenden Rokoko-, Klassizismus-, Empire- und Biedermeierhäuser wurden im Zuge des imposanten Umbaus der Stadt in den Jahren 1870 bis 1900 nach und nach abgerissen. An ihrer Statt entstanden moderne und komfortabel ausgestattete Großstadtgebäude, die weithin den Ruhm und die Noblesse einer Stadt verkündeten, die inzwischen zum berühmtesten Kurort in Europa aufgestiegen war. So wurden die dominanten Gebäude der Militärkuranstalt (1855), der Sprudelkolonnade (1879), der Mühlbrunnkolonnade (1871 - 1881), der Marktkolonnade (1883), des Kurhauses III. (1866) und das feudale Objekt des Kaiserbades (1895), des Weiteren dann das neue Städtische Theater (1886), die anglikanische Kirche (1877), die Synagoge (1877) und die Russisch-orthodoxe Kirche (1897) errichtet. Maßgeblichen Einfluss auf das Stadtbild nahm die Wiener Architektur, die in Karlsbad durch die beiden Bauherren Ferdinand Fellner und Hermann Helmer vertreten ist. Diese beiden Architekten projektierten für Karlsbad an die 20 bedeutende Bauwerke. Diese umfangreiche Bautätigkeit fand vor dem Ersten Weltkrieg mit der Errichtung des internationalen Hotels Imperial (1912) ihren Höhepunkt.

Grundsätzliche Bedeutung für die weitere Entwicklung der Stadt hatte deren Anschluss an das europäische Eisenbahnnetz im Jahre 1870, als der Betrieb auf der Strecke Karlsbad - Eger aufgenommen wurde. Schon ein Jahr später verkehrte ein Zug auf der Strecke Prag - Karlsbad. Um das Jahr 1900 herum wurde das regionale Bahnnetz um lokale Strecken aus Karlsbad nach Marienbad (1898), Johanngeorgenstadt (1899) und Merklín (1902) ausgedehnt. Diese Eisenbahnverbindungen brachten eine deutliche Belebung des wirtschaftlichen Lebens und einen enormen Anstieg der Besucherzahlen mit sich. Die Besucherzahlen stiegen nach 1860 auch dank der erfolgreichen Behandlung von Diabetes in Karlsbad rapide an. Der Kurort erlebte gegen Ende des vorvergangenen Jahrhunderts einen solch unerhörten Aufschwung, dass man diese Epoche mit Fug und Recht als Goldenes Zeitalter von Karlsbad bezeichnen darf. Den einzigen Schatten auf diese berühmte Ära wirft der 24. November 1890, als der Stadtkern von Karlsbad durch ein gewaltiges Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogen und arg beschädigt wurde.

Im Zusammenhang mit der Modernisierung der Kuranlagen und -einrichtungen wurden sowohl Theorie als auch Praxis der Karlsbader Balneologie weiter ausgefeilt und verbessert. Maßgebliche Studien zu dieser Problematik steuerten die hiesigen Ärzte Leopold Fleckles, Paul Cartellieri, Edgar Gans, Emerich Hertzka und V. N. Kronser bei. Große Aufmerksamkeit widmete man dabei der Verwendung des Karlsbader Mineralwassers bei der Behandlung von Diabetes, Berufskrankheiten und Fettsucht. 

Der Genius loci von Karlsbad wurde noch vor 1900 wesentlich von den Aufenthalten namhafter Repräsentanten der europäischen Kultur, Wissenschaft und Politik geprägt. Am Sprudel hielten sich im 19. Jahrhundert z. B. N. V. Gogol, F. Liszt, S. Freud, J. Barrande, H. Schliemann, T. Fontane. A. Dvořák, K. Marx, J. Brahms, R. Wagner, E. Grieg und eine ganze Reihe weiterer berühmter Persönlichkeiten auf.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erzielte Karlsbad die größte Anzahl von Kursgästen in seiner Geschichte. So hielten sich im Jahre 1911 70 935 Personen in Karlsbad auf.

Der Erste Weltkrieg setzte den vorläufigen Schlusspunkt unter den Höhenflug der Sprudelstadt und brachte das Ende der sog. „guten alten Zeiten“, die eng mit dem Geist der Österreichisch-ungarischen Monarchie verquickt waren. Die Kriegswirren ließen den Zustrom von Kurgästen versiegen und lähmten auf ernste Weise das ganze Stadtleben von Karlsbad. 515 Karlsbader Männer ließen auf europäischen Schlachtfeldern ihr Leben. Die verschlechterte Versorgung brachten auch diesem privilegierten Kurort Not und Hunger. Kirchenglocken wurden zu Kriegszwecken konfisziert, zum Ziehen von Lasten geeignete Hunde wurden beschlagnahmt und Lebensmittelmarken und Bezugsscheine für Seife und Tabakwaren wurden eingeführt. Es kam auch zu sozialen Unruhen, so fand z. B. vom 17. bis zum 18. Juli 1918 am Sprudel eine Hungerdemonstration von Frauen statt. Nach dem ersten Weltkrieg lebte der Kurbetrieb schnell wieder auf, aber die Besucherzahlen der Vorkriegszeit wurden bei weitem nicht erreicht. Der Krieg wurde zum tragischen Meilenstein, der das Antlitz Europas für immer veränderte. Der Untergang der ungarisch-österreichischen Monarchie beeinträchtigte die Prosperität aller Kurorte auf seinem ehemaligen Territorium, Karlsbad nicht ausgeschlossen. Nach der Gründung der Tschechoslowakischen Republik im Jahre l9l8 war die Situation hier in seinem Grenzgebiet äußerst kompliziert. Die über Jahrhunderte in diesem Gebiet lebenden Deutschen versuchten im Bemühen, ihre althergebrachten nationalen, wirtschaftlichen und politischen Positionen in der neu entstandenen Republik der Tschechen und Slowaken zu wahren, aus dem Grenzgebiet die autonome Provinz Deutsch - Böhmen zu konstituieren, mit vollem Selbstbestimmungsrecht für die deutsche Volksgruppe. Dieser Versuch wurde auch in Karlsbad durch Einheiten der tschechoslowakischen Armee und Polizei vereitelt. Vom 4. bis zum 5. März 1919 fanden in Karlsbad große Demonstrationen deutscher Einwohner für ihr Recht auf Selbstbestimmung statt. Dabei kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und tschechischen Soldaten. Die tragische Bilanz dieser Zusammenstöße waren 6 tote Deutsche. Der schicksalhafte Karlsbader März des Jahres 1919 wurde so zum unheilvollen Vorzeichen für die folgenden beiden Jahrzehnte im Grenzgebiet, die von ständigen nationalistischen Konflikten zwischen Tschechen und Deutschen gekennzeichnet waren. Es darf nicht verschwiegen werden, dass diese Konflikte von beiden Seiten im Interesse der politischen Ambitionen ihrer nationalistischen Kreise geschürt wurden. Die deutsche Nationalbewegung erreichte im Jahre 1935 durch die Gründung der Sudetendeutschen Partei, deren Wegbereiter in Karlsbad Konrad Henlein und Karl Hermann Frank waren, ihren Höhepunkt.

Die schleichende Wirtschaftskrise in den dreißiger Jahren, die ganz Europa in Atem hielt, machte auch vor Karlsbad nicht halt. In dieser Zeit wuchs die Verschuldung der hiesigen Hotel- und Pensionsbesitzer astronomisch an. Für viele mittelständische Unternehmer und Geschäftsleute hatte die Krise dramatische Folgen, bis hin zum Bankrott. Allein im Jahre l936 kam es in Karlsbad zu über tausend gerichtlichen Vollstreckungen. Um zu überleben, musste sich die Stadt haushoch beim Staat verschulden. Trotz der drückenden wirtschaftlichen Lage wurden in Karlsbad zwischen den beiden Weltkriegen mehrere kostspielige Bauvorhaben realisiert. Die größte Bedeutung von ihnen hatte die Talsperre am Fluss Tepl in Březová (1936), die für immer die Gefahr großer Überschwemmungen von der Stadt abwendete. Im Jahre 1927 wurde die Kapazität des Kurorts durch das moderne Objekt des Kurhauses VI. erweitert. Die Gebäude der Krankenkasse (1931) und der Klosterkirche der Redemptoristen (1933) wurden mithin zur Zierde des Geschäftsteils von Karlsbad. Im Jahre 1932 wurde die Eger (Ohře) mittels eines bewundernswerten technischen Bauwerks, einer Stahlbetonbrücke in Richtung Oberer Bahnhof überbrückt. Von den Karlsbader Balneologen Buxbaum, Ritter, Simon, Hendrych, Stransky und anderen Fachärzte wurden gewisse Teilgebiete der medizinischen Kuren wissenschaftlich aufgearbeitet.

Der II. Weltkrieg verursachte dem Kurort nach einer anfänglichen Euphorie der deutschen Einwohner schlimme wirtschaftliche Probleme. Dem Betrieb des Kurortes wurden infolge des Krieges zahlreiche Beschränkungen auferlegt. Bereits im Jahre 1940 kam es zu ersten ernsthaften Probleme bei der Versorgung mit Lebensmitteln. Es kamen immer weniger Kurgäste und viele Kurhäuser wurden kurzum in Militärlazarette umfunktioniert. Im Oktober 1938, nach dem Besuch des Reichsführers Adolf Hitler, wurde Karlsbad von der deutschen Wehrmacht besetzt und als Teil des so genannten Sudetengaus ans sog. Dritten Reich angeschlossen. Kurz zuvor hatten die letzten Tschechen die Stadt verlassen, die durchweg staatliche Angestellte waren. Am 12. September 1944 sowie am 17. und 19. April 1945 flogen alliierte Luftverbände schwere Bombenangriffe gegen Karlsbad, bei denen der Obere und Untere Bahnhof schwer beschädigt wurden. Zu großen Schäden kam es auch in der Vorstadt Rybáře (Fischern) und am nördlichen Stadtrand der Bäderstadt. Bei diesen Luftangriffen kamen einige Hundert Menschen ums Leben. 

Am 6. Mai 1945 konstituierte sich in Karlsbad der Tschechische Revolutionäre Nationalausschuss, der zwei Tage später unter der Aufsicht der amerikanischen Armee reibungslos die Verwaltung der Stadt übernahm. Die Rote Armee marschierte am 11. Mai 1945 in Karlsbad ein.

Auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens kam es in den Jahren 1945-1946 zur Zwangsaussiedlung, bzw. Abschiebung der deutschen Einwohner aus Karlsbad. Parallel zur Zwangsaussiedlung der Deutschen fand der schwierige Prozess der Neubesiedlung des Grenzgebiets durch tschechische Einwohner statt. Nach und nach fanden diese hier ihr neues Zuhause. Im Zusammenhang mit der Zwangsaussiedlung der Deutschen und mit dem Antritt des kommunistischen Regimes nach 1948 kam es in den fünfziger und sechziger Jahren in der Umgebung von Karlsbad, insbesondere in den Gebirgslagen des Erzgebirges, im Duppauer Gebirge (Doupovské hory) und im Kaiserwald (Slavkovský les) zur Zerstörung zahlreicher Dörfer und Denkmale und deren anschließendem Untergang. Auch in Karlsbad selbst kam es zu zahlreichen und unbedachten Abrissen von Gebäuden.

Nach 1948 wurde die Kurbetreuung in Karlsbad zentralisiert und verstaatlicht. Die Mineralheilquellen und Kureinrichtungen wurden kurzum zum Volkseigentum erklärt. Darüber hinaus führte man den ganzjährigen Kurbetrieb ein. Die heute in Karlsbad gebotenen medizinischen Kuren beruhen auf jahrhundertelangen praktischen Erfahrungen und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auf dem Gebiet der Balneologie und können auf hervorragende Ergebnisse verweisen. Die moderne Theorie und Praxis der Kurorttherapie und der medizinischen Kur wurden nachhaltig von den Arbeiten des Forschungsinstituts für Balneologie beeinflusst, das fast 40 Jahre in Karlsbad tätig war. Wichtige Erkenntnisse brachten nach 1945 Forschungen und Studien der Balneologen J. Joachim, K. Bureš, J. Benda, A. Fried, J. Hanycz, J. Kolominsky, A. Weiss, J. Miessler, V. Křížek, P. Šolc und anderer Mediziner.

Die bauliche Entwicklung von Karlsbad in der Zeit der so genannten Errichtung des Sozialismus (1948 - 1989) kam namentlich im massiven Wohnungsbau zum Ausdruck. Anfangs ziegelgemauerte und später im Großplattenbau errichtete Neubausiedlungen entstanden in Dvory, Tuhnice, Drahovice, Stará Role, Rybáře, auf dem Rosenhügel und in der Straße Čankovská. Die historische Bausubstanz von Karlsbad wurde in den Jahrzehnten der sozialistischen Misswirtschaft leider arg vernachlässigt, wodurch so manches Gebäude mit der Zeit in einen kritischen baulichen Zustand geriet. Dieser Zustand verbesserte sich erst teilweise unter den neuen wirtschaftlichen und vermögensrechtlichen Verhältnissen nach 1989.

Moderne Architektur ist in Karlsbad durch das Sanatorium Thermal (1977) und die Sprudelkolonnade (1975) vertreten. Von weiteren Bauwerken, die in den vergangenen dreißig Jahren in der Kurstadt entstanden sind, seien stellvertretend der Kurhauskomplex in der Kostelní ulice (Kirchgasse - 1978 bis 1982), die Sanatorien Schweizer Hof (1971) und Sanssouci (1970), das Eisstadion (1983), das Haus der Jugend in Drahovice (1982), das Einkaufscenter Perla (1986), das Sanatorium Bristol, sowie auch die neuen Gebäude der Tschechischen Sparkasse (1994) und der Tschechischen Versicherung (1994) erwähnt. Die meisten der angestammten Karlsbader Industriebetriebe – die Glasfabrik Moser, sonstige Porzellanfabriken, die Likörfabrik Becherovka oder auch die Sedlecer Kaolinfabrik machten umfangreiche Modernisierungen durch, zahlreiche neue Unternehmen wurden gegründet - z. B. die Produktionsgenossenschaft Sprudel - Vřídlo, ein Großplattenwerk in Otovice und Heizwerk in Bohatice, das Unternehmen Elektrosvit, die Produktionsgenossenschaft Bau - Stavba u.a.m. Nach 1990 wurden zahlreiche bedeutsame historische und Kurortobjekte kostenintensiv renoviert, rekonstruiert oder durch Repliken ersetzt (Marktkolonnade, Parkkolonnade, Posthof, Klein-Versailles, Grandhotel Pupp, Hotel Bristol, Hauptpost, Kurhotels Imperial, Schweizer Hof, Richmond, Felix-Zawojski-Haus, Mozart-Haus, Haus Peter, Mozart-Park, Aussichtsturm Karl IV., Hotel Aberg, Venus, Jean de Carro, Dvořák, Vyšehrad, Eliška, Villa Ritter, Sirius, Kolonnade, Sanatorium Kriváň-Slovan, Schlossbad, das Schloss in Doubí usw.).

Das Jahr 1989 wurde so zum Beginn einer neuen Ära der freiheitlichen Entwicklung des Kurwesens, Fremdenverkehrs und des Unternehmensgeistes im Tal des Sprudels am Zusammenfluss von Tepl und Eger. 

Karlsbad bzw. Karlovy Vary, der berühmteste aller böhmischen Kurorte, ist heute wie gestern ein Ort, an dem sich kranke und gesunde Menschen aus aller Welt ein Stelldichein geben – in Fortsetzung einer Tradition, die bereits vor Jahrhunderten unter der Herrschaft des weisen Königs Karl IV. ihren Anfang nahm. Der internationale Charakter von Karlsbad und das Renommee seiner nimmermüden Heilquellen bilden die feste Grundlage für die Hoffnung, dass die Stadt des weltberühmten Sprudels auch im 21. Jahrhundert neben Prag der bekannteste und meistbesuchte Ort der Tschechischen Republik bleibt.

Dr. phil. Stanislav Burachovič

Wissenswertes: 

Die Legende von der Gründung Karlsbads
Die Katze des Barons von Lützow
Der Einsiedler Linhart

Links:

http://www.karlovyvary.cz
http://www.mmkv.cz
http://www.karlsbad.cz/info-cz.asp