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Naturdenkmal Komorní hůrka - Kammerbühl 

KammerbühlDer Kammerbühl/Komorní hůrka ist ein eher unauffälliger Hügel mit einer Höhe von 503 m ü. d. M., der aus der flachen Landschaft des tertiären Egerländer Beckens aufragt. Der Berg gehört zu den jüngsten Vulkanen des Böhmischen Massivs. Er entstand an der Scheide des Jungtertiärs zum Quartär in der dritten und letzten vulkanischen Phase des Pleistozäns vor 115–15 000 Jahren, deren Nachhalle noch bis in die Nacheiszeit, also bis vor weniger als 10 000 Jahren zu verzeichnen sind. Der Vulkan entstand am Boden eines ausgetrockneten Salzsees, der sich damals auf dem Gebiet des heutigen Egerländer und Falkenauer Beckens ausdehnte.
Die außergewöhnliche kulturhistorische Bedeutung dieses unscheinbaren Hügels besteht vor allem darin, dass er der wohl besterforschte Vulkan in ganz Europa und vielleicht auch weltweit ist. Die hier durchgeführten Forschungen trugen wesentlich zur Lösung des Streites zwischen sog. Neptunisten und Plutonisten zur Wende des 18. zum 19. Jahrhunderts bei. Der Kammerbühl wurde damals von namhaften Experten aus aller Welt besucht und studiert.

Verzierter StolleneingangErste Berichte über gezielte Erforschungen des Vulkans reichen ins Jahr 1766 zurück, als Graf Zedtwitz (CT 2059, Durchfahrtsort Podhradí) hier einen 100m langen Stollen hauen ließ, in der Hoffnung, auf Kohleflöze zu stoßen. Im 19. Jahrhundert kam es unter Fachleuten - Neptunisten und Plutonisten - zum wissenschaftlichen Streit über die Herkunft des Kammerbühls. Die Neptunisten (Neptun war der römische Meeresgott) waren fest überzeugt, die Erhebung des Kammerbühl sei durch Ablagerungen im Wasser entstanden, während die Plutonisten (Pluto – Gott der Unterwelt) Stein und Bein schworen, der Kammerbühl sei in Verbindung mit „unterirdischem Feuer“, der Quelle vulkanischer Eruptionen entstanden.
Der Vulkan erregte auch das Interesse des Dichterfürsten J.W. Goethe, der auch ein leidenschaftlicher Naturwissenschaftler war. Goethe besuchte den erloschenen Vulkan zum ersten Mal im Jahre 1808. Anfangs neigte er eher der Ansicht der Plutonisten zu, später änderte er aber seine Meinung. Goethe bewog Kaspar Maria von Sternberg (den Mitbegründer des Prager Nationalmuseums) dazu, sich an der Erforschung zu beteiligen. Goethe schlug vor, einen Stollen vorzutreiben, zum Beweis, dass es sich hierbei um einen Vulkan handelte. Die Arbeiten wurden im Jahre 1826 aufgenommen, wobei ca. 300 m Stollen vorgetrieben wurden, aber erst im sog. Zwergenloch stieß man auf den Vulkanschlot, der bewies, dass es sich tatsächlich um einen Vulkan handelte. Goethe erlebte dies aber nicht mehr. Die Stollen sind heute allesamt eingebrochen. Nur der verzierte Stolleneingang zeugt heute noch von diesen emsigen Forschungen. 

Kammerbühl-ProfilDer Kammerbühl/Komorní hůrka ist Vulkan, der durch eine einzige Eruption mit sog. strombolischer Aktivität entstanden ist, bei der in verschiedenen Zeitintervallen bei gleichzeitigen Gaseruptionen heiße Lava aus dem Krater ausgestoßen wird. Infolge der vorherrschenden Luftströmung sammelten sich namentlich in östlicher Richtung des Kraterschlunds meterhohe Schichten von Vulkanschlacke ab, gerade dort, wo sich heute der Gipfel befindet. Zum Abschluss der aktiven vulkanischen Tätigkeit füllte die Lava den Vulkanschlot und –krater, der Lavaerguss überdeckte auch den Teil der Vulkanschlacke an der Stelle des heutigen Stolleneingangs am südwestlichen Hang des Vulkans.
Der erloschene Vulkan diente in der Vergangenheit zum Abbau von Vulkanschlacke, mit welcher die Parkwege in Franzensbad instand gehalten wurden. Durch diesen Abbau entstand eine 15 m tiefe Mulde, die viele Besucher irrtümlicherweise für den Vulkankrater halten. Das ausgestoßene Gestein ist ein poröser Nephelinbasalt, eine in Mitteleuropa verhältnismäßig seltene Lavaform. Ein Großteil des Basaltgesteins wurde im Mittelalter als Baustein abgebaut. Er diente auch zum Bau des bekannten Schwarzen Turms der Egerer Burg. Noch um 1880 war der Kammerbühl/Komorní hůrka nur teilweise abgebaut und nicht mit Bäumen bewachsen. Erst 1951 wurde die Abbautätigkeit in Verbindung mit der Ausrufung zum Staatlichen Naturreservat endgültig eingestellt. Heute gehört der erloschene Vulkan zu den Nationalen Naturdenkmalen, bei denen der Abbau irgendwelcher Minerale strengstens untersagt ist.

Quelle: „Průvodce Komorní Hůrka“ (Kammerbühl-Führer) von Karel Brož, herausgegeben vom Tschechischen Naturschützerverband Františkovy Lázně.