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Sühnekreuze 

SühnekreuzUnter den kleinen Denkmälern in der Natur nehmen eine besondere Stellung die Steinkreuze ein, die bei uns zumeist Sühnekreuze genannt werden. Sie sind aus einem Steinblock gefertigt und ihre Gestalt entspricht der jeweiligen handwerklichen Fertigkeit des Schöpfers. Mitunter handelt es sich lediglich um Steine, die mit wenigen Axtschlägen die Gestalt eines Kreuzes erhielten, anderenorts verraten sie bereits das hohe professionelle Niveau der Arbeit eines Steinmetzes. Die knappe Hälfte der Kreuze ist mit der eingemeißelten Abbildung eines Kreuzes, eines Werkzeugs, einer Waffe oder mit einem kurzen Text und der Jahreszahl versehen.

Das Sühnekreuz ist ein Steinkreuz, das am häufigsten an einem Ort aufgestellt ist, an welchem ein Verbrechen oder eine Unfall geschah. Im Mittelalter war es möglich, bei der Bestrafung der Schuldigen das System des sog. Sühnerechtes anzuwenden, indem einem Delinquenten eine Aufgabe auferlegt wurde, mit der er seine Tat sühnte. Eine solche Aufgabe konnte neben dem Vergleich mit der betroffenen Familie auch das Meißeln und das Aufstellen eines steinernen Kreuzes an dem Ort sein, an welchem das Verbrechen verübt wurde. Ein ähnliches Symbol ist der Kreuzstein, was ein in einen Stein gehauenes Kreuz, sodass der Stein nicht den klassischen Umriss eines Kreuzes hat.

Steinkreuze befinden sich in ganz Europa. Auf dem Gebiet der Tschechischen Republik treten sie meistens an mittelalterlichen Siedlungsorten auf. Eine im Mittelalter unbesiedelte Landschaft (z.B. der zentrale Böhmerwald) hat keine Steinkreuze. Die geringe Dichte der damaligen Besiedelung bedeutet auch das geringere Auftreten der Kreuze. Eine Ausnahme bildet Prag und seine weitere Umgebung. In diesem Raum fanden in der Vergangenheit eine umfangreiche bauliche Entwicklung sowie riesige Geländeaufbereitungen im Zusammenhang mit der Errichtung des Straßen- und Eisenbahnnetzes statt, sodass es möglich ist, dass diese Denkmäler (wie viele andere in den zurückliegenden Jahrzehnten) ein für allemal verschwanden.
Im Ensemble sind verschiedene Typen von Kreuzen vertreten. Am häufigsten ist das griechische Kreuz, jedoch auch das lateinische und sog. Keilkreuz, bei jüngsten Objekten der Malteser-, Kleeblatt- und Kreuztyp vertreten. Kreuzsteine und Kreuzräder tragen Kreuze des griechischen und auch lateinischen Typs, Sockelkreuze, Krückenkreuze, lothringische Kreuze, päpstliche Kreuze, Patriarchenkreuze und nur in einem Falle ein russisch-orthodoxes Kreuz.

Interessant ist die Verteilung der Kreuze nach den Arten. Im Bezirk Cheb (Eger), in Nord- und Westböhmen handelt es sich in 80% der Fälle um ein Steinkreuz. Die Kreuzsteine konzentrieren sich in der Umgebung von Pilsen, Tachov (Tachau) und Domažlice (Taus). Das zweite Gebiet bildet die Umgebung der Städte Pelhřimov (Pilgrams), Jihlava (Iglau) und Třebíč (Trebitsch). Fast alle Kreuzräder finden wir im Bezirk Pilsen-Nord. Außerhalb der angeführten Orte überwiegt keine Art, sodass alle Typen gemeinsam auftreten.

In der Tschechoslowakei der Nachkriegszeit war der Schutz und die Evidenz der Sühnekreuze problematisch, ähnlich trostlos war auch das Interesse an diesen Denkmälern, in dessen Folge ihre Erhaltung und ihr Schutz vernachlässigt wurden. Viele Kreuze wurden gestohlen oder zerstört. Dennoch entstand in jener Zeit, zu Beginn der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts eine Gruppe von Interessenten für diese Denkmäler, die untereinander Kontakte zu knüpfen begannen. Im Jahre 1984 gründeten sie die Gesellschaft zur Erforschung der Steinkreuze beim Stadtmuseum in Aš. Das Ziel ihrer Arbeit ist die zentrale Evidenz und der Schutz der Denkmäler. Im Jahre 1997 publizierten sie den Sammelband Steinkreuze Böhmens und Mährens. Dank diesem Buch gelangen diese Denkmäler mehr in das Unterbewusstsein, indem es bis zum Jahre 2001 gelang, an die 300 neue Objekte ausfindig zu machen und zu registrieren. Im Jahre 2001 erschien die zweite Ausgabe des Buches.

In der Karlsbader Region sind mehr als 150 Sühnekreuze erhalten geblieben, sodass sie im Rahmen der Republik einen der führenden Plätze einnimmt. Das häufigste Auftreten dieser Denkmäler verzeichneten die Fachleute nämlich in der Nähe der Staatsgrenzen.